Freitag, 13. Januar 2012

traumnovelle

heute gab's für mich den film Eyes Wide Shut als abendprogrammgestaltung.

irgendwann hab ich dann bemerkt, dass mir einiges bekannt vorgekommt...


Rhapsody: A Dream Novel, also known as Dream Story, is a 1926 novella by the Austrian writer Arthur Schnitzler. It details the thoughts and psychological transformations of Doctor Fridolin over a two-day period. In this short time, he meets many people who give a clue to the world Schnitzler is creating for us. This culminates in the masquerade ball, a wondrous event of masked individualism, sex, and danger for Fridolin the outsider.

The book belongs to the period of Viennese decadence after the turn of the 20th century.



great film! digging the occult scenes.

"I want to move beyond self-discipline into enlightened selfishness."

"Everything I do with the intention of motivating myself backfires. Within the intention to motivate myself there lies an implicit "should", which immediately sets me at odds with myself, and frequently triggers rebellion. Human souls come into this world full of passion and purpose. And then well-meaning parents and teachers start trying to motivate them." 

~ Kelly Bryson in "Don't Be Nice, Be Real"

"In awareness there is no self-discipline."

~ J. Krishnamurti


Donnerstag, 12. Januar 2012

somebody that i used to know


es passt grad SO sehr auf meine situation. und das sogar im doppelten ausmaße.
macht mich melancholisch auf eine zerbrechlich-zärtlich schöne art und weise.
ich höre sein neues album rauf und runter, ich hör es laut, ich hör es leise.


making mirrors heißt es. von gotye.
und dieses lied, das ich da gepostet hab, hat sich trotzig und unaufhaltsam seinen weg zu mir durchgebahnt, und durch mich hindurch. was soll ich sagen, die musikgötter wissen eben nur zu gut um mein liebesleben bescheid.


ein ausschnitt [aus dem lied//aus meinem {liebes}leben//whatever]:


You can get addicted to a certain kind of sadness
Like resignation to the end
Always the end

So when we found that we could not make sense
Well you said that we would still be friends
But I'll admit that I was glad that it was over

But you didn't have to cut me off
Make out like it never happened
And that we were nothing
And I don't even need your love
But you treat me like a stranger
And that feels so rough

You didn't have to stoop so low
Have your friends collect your records
And then change your number
I guess that I don't need that though
Now you're just somebody that I used to know...

shit yogis/yoginis (= me included) say

put a lid on it

"GOTT IST TOT!"


Der tolle Mensch

Habt ihr nicht von jenem tollen Menschen gehört, der am hellen Vormittag eine Laterne anzündete, auf den Markt lief und unaufhörlich schrie: "Ich suche Gott! Ich suche Gott!"? Da dort gerade viele von denen zusammenstanden, welche nicht an Gott glaubten, so erregte er ein großes Gelächter. Ist er denn verlorengegangen? sagte der eine. Hat er sich verlaufen wie ein Kind? sagte der andere. Oder hält er sich versteckt? Fürchtet er sich vor uns? Ist er zu Schiff gegangen? ausgewandert? - so schrien und lachten sie durcheinander.

Der tolle Mensch sprang mitten unter sie und durchbohrte sie mit seinen Blicken. "Wohin ist Gott?" rief er, "ich will es euch sagen! Wir haben ihn getötet - ihr und ich! Wir sind seine Mörder! Aber wie haben wir das gemacht? Wie vermochten wir das Meer auszutrinken? Wer gab uns den Schwamm, um den ganzen Horizont wegzuwischen? Was taten wir, als wir diese Erde von ihrer Sonne losketteten? Wohin bewegt sie sich nun?

Wohin bewegen wir uns? Fort von allen Sonnen? Stürzen wir nicht fortwährend? Und rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und ein Unten? Irren wir nicht durch ein unendliches Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden? Kommt nicht immerfort die Nacht und mehr Nacht?

Müssen nicht Laternen am Vormittag angezündet werden? Hören wir noch nichts von dem Lärm der Totengräber, welche Gott begraben?

Riechen wir noch nichts von der göttlichen Verwesung? - auch Götter verwesen!
Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!


Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?

Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unsern Messern verblutet - wer wischt dies Blut von uns ab? Mit welchem Wasser könnten wir uns reinigen? Welche Sühnefeiern, welche heiligen Spiele werden wir erfinden müssen?

Ist nicht die Größe dieser Tat zu groß für uns? Müssen wir nicht selber zu Göttern werden, um nur ihrer würdig zu erscheinen? Es gab nie eine größere Tat - und wer nun immer nach uns geboren wird, gehört um dieser Tat willen in eine höhere Geschichte, als alle Geschichte bisher war!"

Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an: auch sie schwiegen und blickten befremdet auf ihn. Endlich warf er seine Laterne auf den Boden, daß sie in Stücke sprang und erlosch. "Ich komme zu früh", sagte er dann, "ich bin noch nicht an der Zeit.

Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert - es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen. Blitz und Donner brauchen Zeit, das Licht der Gestirne braucht Zeit, Taten brauchen Zeit, auch nachdem sie getan sind, um gesehen und gehört zu werden. Diese Tat ist ihnen immer noch ferner als die fernsten Gestirne - und doch haben sie dieselbe getan!" - Man erzählt noch, daß der tolle Mensch desselbigen Tages in verschiedenen Kirchen eingedrungen sei und darin sein Requiem aeternam deo angestimmt habe. Hinausgeführt und zur Rede gesetzt, habe er immer nur dies entgegnet: "Was sind denn diese Kirchen noch, wenn sie nicht die Gräber und die Grabmäler Gottes sind?"


Aus: Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft (1882).
[klick]

"it's genetic"